Free Stevia: Leitlinie aus Österreich

Leitlinie aus Österreich

18.08.2012

Mit Erlass BMG-75210/0002-II/B/13/2012 veröffentlichte am 13.06.2012 das Bundesministerium für Gesundheit in Wien, eine eigene Leitlinie über die täuschungsfreie Kennzeichnung von Lebensmitteln, die mit dem Zusatzstoff Steviolglycoside (E 960) gesüßt sind. Vieles darin ist sicher streitwertig.

Was allerdings die angeblich geltende Herstellungsmethode betrifft, so liegt man in Wien absolut daneben, denn die Kommission hat mit ihrer Spezifikation im Anhang der Verordung (EG) 231/2012 keinesfalls ein bestimmtes Herstellungsverfahren als verbindlich festgelegt, oder favorisiert. Vielmehr ist der Verweis auf einen einzelnen Verfahrensschritt, nämlich der Reinigung des Extraktes durch Ionenaustauscher (und nicht Ionenaustauschchromatographie, wie im Anhang der Verordung (EG) 231/2012 beschrieben), so zu verstehen, dass hier explizit auf eine verfahrenstechnische Besonderheit hingewiesen wird, da eben nur bei dieser Methode spezifische Verunreinigungen und unübliche Steviolglycoside auftreten könnten ...

Zitat: Der Zusatzstoff kann Reste von Ionenaustauscher-Harze enthalten, das bei der Herstellung verwendet wurde. Geringe Mengen anderer Steviolglycoside, die nicht natürlich in der Pflanze vorkommen, wurden als Nebenprodukte der Herstellung nachgewiesen (0,10 – 0,37 % m/m).

Die Spezifikation dient also nur dazu, bestimmte Rückstände und Anomalien im Zusatzstoff dann zu gestatten, wenn genau diese Methode zur Herstellung angewendet wird. Sie dient aber nicht dazu, andere Herstellungsverfahren, nämlich jene, die keine Rückstände hinterlassen, auszuschliessen. Es gibt keinen Grund für den Unionsgesetzgeber, rückstandsfreie Herstellungsverfahren auszuschliessen, dafür aber ein Herstellungsverfahren zuzulassen, das zu Rückständen führt. Erlaubt sind also alle Extraktionsmethoden, die üblicherweise zur isolierung von Pflanzenextrakten genutzt werden. Dazu gehören keine enzymatischen Methoden.

Es ist zudem weltfremd, wenn das Bundesministerium für Gesundheit in Wien davon ausgeht, dass es sich bei der Darstellung im Anhang der Verordung (EG) 231/2012 um eine vollständige Methode zur Isolierung von Steviolglycosiden handeln könnte. Die wenigen dort aufgezeigten Schritte reichen auch bei mehrmaligem Wiederholen nicht aus, um am Ende einen Süßstoff zu gewinnen. Es funktioniert so eben nicht.
Vielmehr müsste man noch eine Fällung oder Nano-Filtration hinzuziehen.

Impressum | Site Map | Haftungsausschluss | Kontakt | Besucher bisher:Besucherzähler| ©2007 Free Stevia